KEMENESMAGASI

ATTRAKTIVES UNGARN -

FAHREN SIE HIN, IHR HAUS IST SCHON DORT!

Ausstellungsbeteiligung/Projektentwicklung.
Projektkonzept Elke Punkt Fleisch, Barbara Klammer, Hanja Niederhammer

Kemenesmagasi liegt im Nordwesten Ungarns. Leerstehende Häuser prägen das Ortsbild, demografischer Wandel blickt durch. Die Entwicklung des Ortes verdeutlicht ein europaweites Phänomen: Während die jüngeren Menschen in die Städte ziehen, bieten verhältnismäßig günstige Immobilienpreise ausländischen Investoren neue Perspektiven. Nach Kemenesmagasi kommen vor allem Pensionist/innen aus Deutschland und Österreich, um in ihren Lebensabend zu investieren. Hier treffen sich die Suche nach Ruhe, der Wunsch nach Aufbruch und der Traum vom Eigenheim.

Was macht dieser Wandlungsprozess mit dem Ort, der sich durch die relationale Ordnung formaler Einheiten konstituiert und zugleich Träger von Atmosphären, von sozialen Beziehungen ist? Welche Vorstellungen und Hoffnungen sind an ihn geknüpft? Mit diesen Leitfragen machte sich die Linzer Künstler/innengruppe auf den Weg nach Kemenesmagasi, um in der Auseinandersetzung mit dem Ort den soziokulturellen Veränderungen nachzuspüren. In Interviews und Gesprächen mit ortsansässigen sowie zugezogenen Menschen ging es um Vorstellungen und Manifestationen von Brauchtum, Familie und Nachbarschaft, die Suche nach Heimat und das Festhalten an Vertrautem. Alles spricht für die spanische Küste, die kleine Rente und das solide Wetter sprechen für Ungarn. Während die steigende Einwanderung aus westeuropäischen Ländern nach Ungarn politisch und medial als Versuch verhandelt wird, dem liberalen Zeitgeist zu entkommen („Ungarn: Viktor Orbáns Politik zieht rechtsextreme Flüchtlinge an“, Gregor Mayer, profil.at), überwiegen häufig ökonomische Gründe. Die im Zuge des Aufenthaltes in Kemenesmagasi entwickelten und entstandenen Arbeiten mit unterschiedlichen medialen Zugängen wurden im Oktober 2018 im Rahmen einer gemeinsamen Ausstellung präsentiert. Die manifesten Ergebnisse des künstlerischen Forschungsprozesses sind skulpturale Objekte, Installationen, Lyrik und Fotografien. 

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„Soll ich oder soll ich nicht (nach Ungarn auswandern)“ hat Terri Frühling ihre Arbeit betitelt, mit der sie den Prozess des Entscheidens thematisiert. Ihre interaktive Installation lädt dazu ein, sich in die Rolle der/des Schwankenden zu begeben und die Kunst der Entscheidung zu erproben. Das – ganz in aktuellem Werbedesign präsentierte – Angebot an die Besucher/innen verspricht eine unmittelbare Entscheidungsfindung: Ziehe einen Glückskeks, lies deine Botschaft und spüre den persönlichen Impuls. Ein QR Code auf der Verpackung der Kekse führt zu weiteren Statements, welche die Künstlerin aus unterschiedlichen Auswanderforen zusammengetragen hat. Damit hinterfragt sie die netzbasierte Ratschlag(un)kultur und verhandelt die Rolle von Zufall, Schicksal und Glaube im Entscheidungsprozess.

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Text von Hanja Niederhammer

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© 2018 Terri Frühling

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